Terry Riley

Descending Moonshine Dervishes
Doppel-CD Kuckuck Schallplatten, No. 11047-2
Vertrieb: Fono Schallplatten GmbH, 48366 Laer

„In C“
CD Celestial Harmonies, No. 13026-2
Vertrieb: Fono Schallplatten

Der 1935 in Colfax, Kalifornien geborene Terry Riley bricht mit der Vorstellung, Musik habe abwechslungsreich zu sein, dürfe nicht eine gewisse Dauer überschreiten; müsse kompliziert und avantgardistisch sein. Nicht Spannung, Kontrast und dramatische Steigerung, sondern Konzentration auf einen Prozeß minimaler Entwicklung sind die Grundlagen seiner Kompositionen.

Inspiriert zu seinem musikalischen Denken wurde Terry Riley 1970 durch eine Reise nach Indien, wo er Raga-Gesang beim nordindischen Meistersinger Pandit Pran Nath studierte.
In einem Interview mit der bekannten amerikanischen Jazz-Zeitschrift „Down-Beat“ vom Mai 1981 nannte Riley einmal die Absicht seiner Studien, die ihn seither regelmäßig in den indischen Subkontinent führen:

„Es ist die emotionale Kraft und Struktur, die in der westlichen Musik nichts Vergleichbares hat. Die Formen, die Schattierungen, sie sind so kompliziert und subtil, daß es Jahre dauert, ehe man alle Details kennt.“
Hinzu kommt ihre kompositorische Variationsbreite, deren Grundmuster immer wieder individuelle geprägte Improvisationen zulassen, sie vom ausführenden Musiker, je nach Stimmung, geradezu fordern.

Besonders stark von der traditionellen indischen Notenfolge geprägt ist Rileys 1975 auf dem Metamusik Festival in Berlin entstandene CD „Descending Moonshine Dervishes“. Diese ruhige Komposition ähnelt den „Mantras“, die sich in der musikalischen Meditation, kaum spürbar für Interpreten, wie Zuhörer, weiterentwickeln. Terry Riley improvisiert auf einer modifizierten elektronischen Orgel und schichtet die motorischen Rhythmen durch zeitverschobene Playbacks immer komplizierter übereinander: Er läßt einen Klang- und emotionalen Raum entstehen, der nahezu unendlich wirkt. Dieser Musik sind keine zeitlichen Grenzen gesetzt. Einmal zuende, schwingt sie (im Kopf und Körperdes Zuhörers) weiter.

Berühmt wurde Terry Riley durch seine 1969 uraufgeführte Komposition „In C“: Auf einem stets gleichen Piano-Puls, der rhythmischen Basis, spielt jeder der Musiker 53 melodische Fragmente. Die Reihenfolge ist in der Partitur vorgegeben. Wann er jedoch von einer Figur zur nächsten wechselt, welche rhythmischen Akzente er setzt, wie oft oder wie lange er pausiert, das bleibt dem Interpreten freigestellt. –
Ohne Erinnerung an das vorher Gehörte und ohne Erwartung an das Kommende soll der Zuhörer ganz in der Gegenwärtigkeit des Klangflusses eintauchen. –

20 Jahre später, 1989 flog Terry Riley nach China, um mit Hilfe des Musikerkomponisten David Minguye Liang und des Shanghai Film Orchestras, Dirigent Wang Yongji, das Stück „In C“, bearbeitet für Laute, Zither, Flöte, Maultrommel, Schlagzeug etc. neu aufzunehmen.
Entstanden ist eine aufregende und mitreißende Begegnung traditioneller chinesischer Musikkultur mit westlicher „Minimal Music“. Den vielfach wiederholten melodischen Mustern erschließen die chinesischen Musiker mit viel Spielfreude fremde und ungewohnte Interpretationsmöglichkeiten. Ihre eigen-ständige musikalische Sprache und exotische Klangkunst entführen den Zuhörer in eine akustische Zauberwelt: Diese birgt eine immense Erweiterung der musikalischen Wahrnehmung in sich, öffnet und sensibilisiert sie geradezu zwingend.

linnevansythen

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