Philip Glass

Symphony No. 10
CD Orange Mou, ASIN: B0106L90WC

Kundun
CD Nonesuch, No. 7559-79460-2

Heroes Symphony
CD Point Music, No. 454 388-2

Low Symphony
CD Point Music, No. 438 150-2

Philip Glass feiert in diesem Jahr 2017 seinen achtzigsten Geburtstag. Er wurde am 31. Januar 1937 in Baltimore, USA, geboren. Er ist der weltweit populärste Komponist im Bereich der Minimal Music. Sein Erfolg gründet sich vor allem auf seine große Musiktheater-Trilogie „Einstein on the Beach“ (1976), „Satyagraha“ (1980) und „Echnaton“ (1983). Wie auch für seine Kollegen Steve Reich und Terry Riley wurden asiatische musikalische Prinzipien zur wichtigsten Inspirationsquelle für Glass.

In den 90er Jahren wandte sich Glass immer mehr von pulsierenden Texturen und Motivwiederholungen ab und komponierte herkömmliche Konzertliteratur; z.B. das Streichquartett Nr. 5, sein Violinkonzert, die Kammeroper „La Belle et la Belle“ oder die Bühnenmusik „The Screens“ zu Jean Genet’s „Die Wände“.

So verwunderte es nicht, daß Glass 1993 seine erste „Low Symphony“ veröffentlichte.
Bis heute komponierte er 10. Sinfonien.
Wie Brian Eno und David Bowie von der Musik Philipp Glass’s fasziniert sind, so war Glass schon immer begeistert von den beiden Alben „Low“ und „Heroes“. Diese zwei Werke nahm David Bowie kurz hintereinander in Zusammenarbeit mit Brian Eno zwischen den Jahren 1976 und 1979 auf. Es waren für die damalige Zeit avantgardistische Klangexperimente, welche den Pop-Bereich sprengten und ihn überschritten.
Für die „Low Symphony“ leitete Philipp Glass aus dem Song „Subterreneans“ den ersten Satz, aus „Some Are“ den zweiten und aus „Warszawa“ den dritten Satz ab. “Ich habe mich diesen Themen so genähert und sie so behutsam behandelt, als ob ich sie selbst komponiert hätte“, verrät Glass. “Dabei verwendete ich weder Davids Stimme noch das Saxophon als Soloinstrument, weil mich das eingeengt hätte. Die Musik von Bowie hat meinen Arbeitsstil aber derart beeinflußt, daß einige überraschende Ergebnisse herauskamen.“
Dieses meditativ-bezaubernde Resultat spielt das Brooklyn Philharmonic Orchestra unter Führung von Dennis Russel Davies in überzeugender Interpretation.
Mit glasklaren Harmoniebögen, perkussiven Baßbewegungen, sentimentalen Melodielinien und neuromatischer Beschaulichkeit entwickelt sich die „Low Symphony“ zu einem abwechslungsreichen und überaus farbenprächtigen Ganzen.
Mit seiner „Heroes Symphony“ von 1997, die als seine vierte Sinfonie gilt, möchte Philip Glass (nicht nur) jungen Fans der aktuellen Popmusik den Hörhorizont erweitern.- Diese Sinfonie basiert auf dem 1976 erschienenen Album „Heroes“ von David Bowie, (Produzent: Brian Eno) und ist als Ballettmusik für die amerikanische Choreographin Twyla Tharp konzipiert. Philipp Glass verbindet auch in dieser Sinfonie den Tonfall der beiden bizarren und artifiziellen Sound-Tüftler mit den seriösen Elementen der sogenannten E-Musik auf spannende Weise.
So wirkt das Titelstück „Heroes“ mit stimmungsvoller Melancholie, läßt „Neukölln“ den Hörer in tiefste Täler stürzen und fängt „V2 Schneider“ den Gestrauchelten wieder auf. Mit den sechs Stücken der 45 minütigen ‘Symphony’ ist Philip Glass ein Werk gelungen, welches mit einem glänzend aufgelegten American Composers Orchestra, ebenfalls unter der Leitung von Dennis Russel Davis brilliert und dem berühmten Album „Heroes“ – zwanzig Jahre nach Entstehung – zu einem einzigartigen Revival verhilft.

Im März 1998 startete in Deutschland „KUNDUN“ von Martin Scorsese. Die Musik zu diesem außergewöhnlichen und bildgewaltigen Film komponierte Philip Glass. „KUNDUN“ beschreibt die Entdeckung, die Ausbildung und die Regierungszeit des vierzehnten Dalai Lama in den Jahren 1937-1959. Der junge Stellvertreter Buddhas muß sich sowohl mit den Machtkämpfen der eigenen Regierung als auch der Annektierung Tibets durch das maoistische Regime Chinas auseinandersetzen und schließlich gezwungenermaßen sein Land verlassen. „KUNDUN“ ist die Geschichte eines Mannes mit einem sehr sanften, aber außergewöhnlich starken Charakter und einer tiefen religiösen Bindung vor dem Hintergrund einer spektakulären Landschaft und einer repressiven Weltpolitik,“ so Martin Scorsese.
Philip Glass ist selbst Buddhist, und so fiel es ihm leicht, sich kongenial in die Atmosphäre des Films zu versetzen. „Der Dalai Lama hat bereits früher großen Eindruck auf mich gemacht; außerdem kenne ich die tibetanische Musik seit mehr als dreißig Jahren – ich war 1957, mit zwanzig, in Tibet. Damals habe ich den Klang der Hörner vor meinem Fenster gehört; sie spielten jeden Morgen im Kloster. Als ich zusagte, die Filmmusik zu schreiben, wußte ich genau, was ich machen würde: Die Musik sollte einen unmittelbar nach Tibet versetzen. Für viele Menschen im Westen klingt die tibetanische Musik ungewöhnlich, aber indem ich sie mit westlicher Musik kombiniere, öffne ich ein Fenster in den Film.“
In einem Spannungsfeld aus Minimal-Musik, tibetanischen Klangcollagen und Klassik-Elementen kreiert Philip Glass komplexe musikalische Szenarien, die den Zuhörer emotional nicht gleichgültig lasssen. Besonders beeindrucken dabei die behutsam eingesetzten tibetischen Instrumente wie ‘Tibetan horns’ und ‘cymbals’ mit ihren elementaren, erdigen Tönen.

Im Jahre 2012 komponierte Philip Glass seine 10. Sinfonie. Für sie wurde er 2007 durch ein Feuerwerksprojekt in Spanien inspiriert. Fünf Jahre danach orchestrierte er dann seine damaligen Skizzen. Auch in der 10. Sinfonie bricht sich die Musik von Philip Glass wieder wie Wellen mit langsamem majestätischen Klang. Die Töne überlagern sich, verschlingen einander; werden zu Böen von Musik, wie ein Baldachin im Wind. Es ist Musik, die nie von gedankenlosen Dissonanzen überflutet wird, und deren Motive und Melodien Erfüllung in unseren Ohren findet.
Ihre brillanten und wirkungsvollen Interpreten fand die Sinfonie Nr. 10 im Bruckner Orchester Linz  unter der Leitung von Dennis Russel Davies. Sie spielen mit viel Leidenschaft und Inspiration.

linnevansythen

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