Brian Eno

Music for Airports
CD, EEGCD 17, Virgin EG Records

Music for Airports
Bang on a Can
CD Point Music No. 536 847-2

Apollo
Atmospheres & Soundtracks
CD EEGCD 53, Virgin Records

Apollo
Icebreaker with BJ Cole
CD CA 21071, Cantaloupe

Discreet Music
CD EEGCD 23, Virgin EG Records

Discreet Music
Contact
CD, CA 21114, Cantaloupe

Seit Mitte der 70er Jahre experimentiert der Komponist und ehemalige Keyboarder der Pop-Gruppe „Roxy-Music“ Brian Eno mit einer von der Natur inspirierten „Ambient Music“. Sein wichtigstes Anliegen ist dabei das Gestalten einer ruhigen Umgebung, die nicht überwältigt sondern zur Kontemplation einlädt. Nach seiner Vorstellung soll man sich in dieser Musik aufhalten können wie in einem Raum, der den Rhythmus des Alltagslebens für eine Weile drastisch verlangsamt.

Er sagt dazu: „Ich möchte etwas erzeugen, das gleichmäßig genug ist, um zurückhaltend und diskret als Teil der Umgebung zu funktionieren, und gleichzeitig reichhaltig und vielfältig genug, um wahrhaftig interessant zu wirken. Um das zu erreichen, scheint es mir notwendig, daß die Musik im großen konstant bleibt, im kleinen aber unvorhersehbar. Die Formen und Veränderungen von Wolken zu beobachten, ist eine gute Analogie. Der Gesamtcharkater der Erfahrung ist gleichbleibend, aber die Details lassen sich nicht vorhersagen.“

Brian Eno ist eine der wundersamsten und schillerndsten Figuren der Popbranche – und eine ihrer einflußreichsten. Heute gilt er als Meister der scheinbaren Ereignislosigkeit.
Seit Anfang der siebziger Jahre initiierte Eno Trends:
Mit der Band Roxy Music und dem Sänger Bryan Ferry bereicherte er die Rockmusik durch einen glitzernden, bizarren und androgynen Stil. Stellvertretend hierfür stehen die Alben „Stranded“ (1973) und „Country-Life“ (1974). Brian Eno führte dabei den Beweis, daß man Pop mit elektronischen Mittel zum exquisiten Kunstwerk erheben kann.

Im Jahre 1978 schuf Brian Eno mit seiner LP »Music for Airports« eine elektronische Klanglandschaft, die als Hintergrundmusik für Flughafen-Terminals konzipiert war. Sie sollte zweckgerecht funktional sein und daher jederzeit »überhört werden« können.
Brian Eno realisierte seine Idee eines »Hörens auf verschiedenen Ebenen« auf so überzeugende Weise, daß seine »Flughafen-Musik« dank ihrer kompositorischen Qualitäten die neue Stilrichtung der »Ambient music« initiierte.
Zwanzig Jahre später produzierte das New Yorker Musiker Kollektiv »Bang on a Can«, eine konzertante, »live« von Musikern aufführbare Fassung. Das viersätzige Arrangement setzt neben Klavier, E-Gitarre, Klarinette oder Saxophon, Cello, Baß und Schlagzeug- Stimmen weitere Holz- und Blechblasinstrumente ein. Den New Yorker Spezialisten für Neue Musik Michael Gordon, David Lang  Julia Wolfe und ihren Bang on a Can All Stars gelingt es, die Intentionen Brian Enos jederzeit zu bewahren.
Immer bleiben die Musiker in ihrer Bearbeitung eng am Klang der originalen Synthesizer-Fassung; demonstrieren dabei dennoch ihre ureigene, expressive Perspektive dieser ruhigen, atmosphärischen Musik.

Später verschwand Eno im Studio und erklärte das Mischpult zum wichtigsten Instrument. Er konstruierte Klangerzeuger, die von Wind und Wasser angetrieben wurden und träumte davon, Zufallsmusik zu komponieren. Eno entwickelte eine originelle Vorliebe für seltsam unkoordinierte, planvoll verwirrte, delikate Klänge; wie auf seiner CD „Apollo“, die er 1983 veröffentlichte. Brian Eno behauptete, er male Landschaftsbilder, und die Töne seien Farben. Manchmal fand er seine suggestive Akustik so betörend, daß er wähnte, lauschend „durch den Weltraum“ zu driften.
Diese Intention verkörpern hervorragend die Musiker der englischen Gruppe Icebreaker auf ihrer 2012 erschienenen CD „Apollo“. In ihrem musikalischen Weltraumkonzert fließen flackernde, sphärische Klanglichter, geschaffen von akustischen Instrumenten wie Flöte, Klarinette, Sopransaxophon, Altsaxophon sowie elektrischer Violine und Cello.

Als Reaktionen auf das nervenaufreibende Stadtleben schafft Eno Orte der Ruhe in der Musik: Ahnungen von Landschaften, unaufdringliche Impressionen, ferne Geräusche, Gerüche, erweiterte Momente der Erinnerung; z. B. auf der CD “Discreet Music“ aus dem Jahre 1983. Der Grundstrom dieser Musik ist ruhevoll getragen, fast bis an die Grenzen der Bewegungslosigkeit. In ihr finden sich keine aufmerksamkeitsheischenden Affekte – vielmehr berichtet sie vom wohltuenden Rückzug in die Stille und von intimen Begegnungen mit dem großen Geheimnis der Natur.

Diese Atmosphäre schuf im Jahre ebenfalls die Gruppe Contact auf der akustischen einstündigen Version von Discreet Music. Es sind Inspirations- und Imgainationsquellen für den Zuhörer, die sein Leben bereichern wie schwebende Düfte, frei nach Eric Saties‘ Phantasie einer „furniture music“.

Wer hin und wieder Besinnung und Alleinsein braucht, um sich von der Alltagshektik zu erholen, der begebe sich auf die Reise mit Brian Eno und lasse sich vom tiefgründigen Raunen dieser Musik in Gegenden entführen, die vielleicht gar nicht neuartig und fremd sind, sondern alt und vertraut…

linnevansythen

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